Es ist Martinstag. Oma und Opa kommen am Nachmittag. Und es gibt leckeren Kuchen mit Kaffee und Tee.
Leo ist schon ganz aufgeregt. Er zeigt stolz seine Martinslaterne, die er in der Kita gebastelt hat. Sie stellt einen Elch dar. Aber irgendwie gefällt ihm das Geweih des Elchs nicht so richtig. Es wackelt ihm zu sehr. Mama befestigt das Geweih mit Klebstoff. Aber irgendwie anders, als Leo es sich vorgestellt hat.
„Aber so soll das nicht sein“, meckert er. „Aber ich will es anders haben.“ „Jetzt ist es mal gut“, meint Papa, „wir müssen gleich los“.
Leo rennt wütend zur Wohnzimmertür. Dabei erwischt er die Ecke des Klaviers und stößt sich heftig den Kopf. Rumms macht das, und Leo schreit wie am Spieß. Er will sich gar nicht trösten lassen. „Aber, aber, warum muss das blöde Klavier immer da stehen“, jammert er. Und dann muss noch unbedingt ein Pflaster für die Beule her.
Endlich ist die Welt wieder in Ordnung. Die Laterne leuchtet hell. Und Leo macht sich mit Mama, Papa, Oma und Opa auf den Weg. Viele Kinder sind unterwegs zum Martinszug. Alle haben rote, gelbe, grüne und blaue Laternen gebastelt. Und der Wald hinter der Kita strahlt im Lichterglanz.
Leo hat eine besondere Aufgabe beim diesjährigen Martinszug. Er darf den armen Bettler spielen, dem Sankt Martin seinen halben Mantel schenkt. Leos Erzieherin hängt ihm ein Lumpenkostüm über und ein anderer Junge aus seiner Gruppe wird als Sankt Martin verkleidet. Der reitet auf einem Steckenpferd neben Leo her. Die anderen Kinder aus der Kita, ihre Familien und Erzieherinnen folgen ihnen auf dem Weg durch den Wald. Eine Musikkapelle spielt Martinslieder und alle singen.
Die Laternen erhellen den Weg.
„Eine ganz festliche Stimmung“, meint Oma und macht Fotos. „Wie schön, dass wir dabei sein dürfen.“
Nach dem Umzug versammelen sich alle am Feuer auf dem Spielplatz der Kita. „Jetzt kommt Leos großer Auftritt“, sagt Opa.
Leo spielt den Bettler. Er soll sich vor dem Feuer auf eine Decke knien und Sankt Martin um Hilfe bitten. Doch als Mama sich entfernen will, verlässt ihn der Mut. Es scheint, als wolle der Bettler weglaufen vor der großen Zuschauermenge. Irgendwie gelingt es Mama und Papa doch, ihn zu beruhigen.
Die Kapelle spielt, Sankt Martin reitet auf dem Steckenpferd um den Bettler Leo herum. Dann zieht er sein Holzschwert, teilt den roten Umhang, gibt Leo eine Hälfte und reitet mit der anderen davon. Leo hüllt sich in den warmen Stoff und muss nicht mehr frieren.
Danach gibt es viel Applaus. Leo rennt erleichtert zu Mama und Papa.
Zum Abschluss werden Weckmänner an alle Kinder und selbst gebackenes Brot für die Erwachsenen verteilt. Und sogar noch Kinderpunsch und Glühwein.
Welch ein tolles Fest war das.
Ingrid Ollenschläger, 2025
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