„Ich mag Karneval gar nicht“, sagt Leo. „Ich will mich auch nicht verkleiden.“ Leos Papa ist ein großer Karnevals-Fan. „Warum magst du Karneval den nicht?“ möchte wissen.
„Die Musik ist mir viel zu laut. Und die vielen Leute schreien nur“, ist Leos Antwort.
Ein Jahr später wird in der Kita für Karneval gebastelt. Und es werden Karnevalslieder geübt. Leo schmettert kölsche Karnevalslieder. Papas Herz geht auf.
„Willst du denn in diesem Jahr ein Karnevalskostüm?“ fragt Mama.
„Ja“, strahlt Leo, „ich will Dino werden“. „Fritz wird Superheld, aber ich will einen Dino werden. Ich will Rex werden, Tyrannosaurus rex.“
Leo kennt sich gut mit Dinos aus. Er lässt sich gerne Geschichten über sie vorlesen. Auch blättert er immer wieder in Papas alten Dinobüchern. Inzwischen kennt er die meisten Dinos beim Namen.
Am Nachmittag holen Oma und Opa Leo an der Kita ab. „Was sollen wir heute Nachmittag machen?“ fragen sie.
„Ich brauch doch noch ein Karnevalskostüm. Ich will Dino werden.“
„Super Idee“, findet Opa, „dann machen wir uns gleich auf den Weg in die Stadt. Da gibt es ein großes Karnevalsgeschäft. Und die haben bestimmt Dinokostüme.“
Und richtig: sie finden viele Dino-Kostüme. Leo stürzt sich sofort auf den Tyrannosaurus. Das Kostüm sitzt wie angegossen. Oma und Opa finden das toll, und sie kaufen es für Leo.
Zu Hause angekommen, will Leo sich sofort verkleiden. Am liebsten würde er mit seinem Kostüm auch ins Bett gehen. Und Oma nennt ihn nicht mehr Leo, sondern Rex.
„Wann ist denn endlich Karneval?“ fragt Leo. „Paul hat gesagt, dass er im letzten Jahr ganz viele Bonbons und Schokoladen auf dem Zug gefangen hat. Ich mag so gern Süßes. Wann kommt der Zug?“
Endlich ist es soweit. Der Karnevalszug bei Oma und Opa geht fast an ihrer Haustür vorbei. Leo, Mama, Papa, Oma und Opa verkleiden sich und stellen sich an den Straßenrand. Es dauert nicht lange und der erste Wagen rollt an, angeführt von einer lauten Kapelle. Aber die stört Leo überhaupt nicht mehr wie im letzten Jahr. Er hat nur noch Augen für die Süßigkeiten, die von den Karnevalswagen geworfen werden. Und die prasseln auch nur so auf ihn nieder.
„Kamelle, Kamelle“, ruft er immer wieder und winkt den Jecken auf den Karnevalswagen zu. Und die verwöhnen ihn reichlich mit Gummibärchen, Bonbons und Schokolade. Sogar ein T-Shirt und ein Sparschwein kann er fangen. Seine Sammeltüte quillt über.
Zu Hause guckt er sich alle seine Schätze an. So viel Süßes hat er noch nie bekommen.
„Ich mag so gern Karneval, Opa. Wann ist wieder Karneval?“ will er wissen.
„Da musst du wieder ein Jahr warten, genau wie auf deinen Geburtstag.“
„Ich will wieder Dino werden. Aber dann ein Flugdino.“
Ingrid Ollenschläger, 2025
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