Leo bekommt einen eigenen Baum

Leos Großeltern haben einen großen Garten mit vielen Bäumen. Leo spielt gerne dort. Und er hilft auch gerne. Im Herbst sammelt er die Blätter vom Rasen, im Sommer gießt er die Blumen und Bäume.

„Andreas hat einen Baum ganz für sich allein“, erzählt Leo, „Der steht im Garten seiner Großeltern und gehört nur ihm.“

„Willst du auch einen eigenen Baum?“ fragt Opa.

Leo ist überrascht. „Gibst du mir einen Baum ab, Opa?“

„Na klar. Welcher Baum gefällt dir denn besonders?“

Leo schaut sich um, dann läuft er geradewegs auf einen blühenden Baum zu.

„Was ist denn das für ein Baum?“ will er wissen.

„Das ist ein Fliederbaum. Er hat eine ganz besondere Geschichte“, erzählt Opa.

„Der Opa dieses Fliederbaums stand im Garten meines Opas in Troisdorf. Als ich so alt war, wie du jetzt bist, hatte ich einen Sandkasten ganz in seiner Nähe. Vor 70 Jahren sind dann meine Eltern mit mir in ein eigenes Haus mit Garten gezogen. Und sie haben einen Ableger, also ein kleines Kinderbäumchen von dem Fliederbaum, mitgenommen und in ihrem eigenen Garten eingepflanzt. Aus diesem Bäumchen wurde mit der Zeit ein starker Baum.“

„Und wie ist dieser Baum dann in Euren Garten hier gekommen?“ fragt Luka weiter.

„Als Deine Oma und Dein Opa ihr eigenes Haus in Bensberg bezogen, haben auch wir einen Ableger meines Kinderbaums aus Troisdorf mitgenommen. Da ist jetzt 40 Jahre her. Und schau mal, wie groß unser Flieder jetzt geworden ist. Und wie schön er blüht.“

Jetzt weiß Leo genau, welchen Baum er haben will. „Opa, darf ich Euren Fliederbaum haben?“

„So machen wir das. Und wenn du mal einen eigenen Garten hast, nimmst du einen Ableger von diesem Baum mit. Siehst du die kleinen Bäumchen, die neben dem Flieder aus der Erde sprießen?“

Leo zählt. Es sind fünf. Er zeigt auf den kleinsten Ableger: „Den will ich mitnehmen, wenn ich groß bin. Dann habe ich immer einen Baum, der mich an meine Oma und meinen Opa erinnert.“


Ingrid Ollenschläger, 2025

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