„Fahren, nicht würgen“, sagt mein Fahrlehrer gefühlt hundertmal zu mir. Aber irgendwie will mir die Kupplung nicht so richtig folgen. Und schon habe ich die Karre wieder abgewürgt.
Prüfungstag.
Sechs Kandidaten aus meiner Fahrschule sind angemeldet. Die Theorie bestehe ich mit null Fehlerpunkten.
Zwei aus meiner Gruppe fallen schon bei der mündlichen Prüfung durch. Sie werden nicht zur praktischen Fahrprüfung zugelassen.
„Der Fairness halber losen wir die Reihenfolge der praktischen Prüfungen aus“, sagt unser Fahrlehrer.
Bingo. Ich bin die letzte. Warum muss ich immer die A-Karte ziehen?
Axel darf als erster antreten. Der setzt Maßstäbe.
„Der durfte schon auf dem Hof seiner Eltern fahren, als er gerade mal 14 war“, sagt Conny.
Mir zittern Hände und Knie. Am liebsten würde ich mich im Klo versteckt.
Conny steht am Fenster. Sie sichtet den Fahrschulwagen: „Axel ist fertig.“
Wir schauen neugierig nach draußen. Axel steigt aus: Er hat den Kopf gesenkt. Den begehrten Lappen hält er nicht in der Hand.
„Was ist passiert?“ überfallen wir ihn.
„Angeblich habe ich einen LKW ausgebremst, als ich zu schnell in den Kreisverkehr gefahren bin. Das war jedenfalls die Begründung des Prüfers.“
Conny kommt wedelnd mit ihrem Führerschein in den Prüfungsraum. Auch Martin sieht man sein Glück von Weitem an.
Jetzt bin ich dran. Die Allerletzte.
„Nur nicht zu schnell in den Kreisverkehr“, geht es mir immer wieder durch den Kopf.
Der Prüfer dirigiert mich zielstrebig auf besagten Kreisverkehr zu.
„Nicht zu schnell. Warten, warten, warten“, denke ich bei mir.
Ich warte so lange, bis sich kein einziges Fahrzeug mehr im Kreisverkehr befindet. Dann gebe ich Gas.
Ich wundere mich, dass wir so schnell zum Prüfungsgebäude zurückkehren. Ich muss nicht mal rückwärts einparken.
„Schwein gehabt“, denke ich mir.
„Ich kann Ihnen den Führerschein leider nicht ausstellen. Zu langes Zögern vor dem Kreisverkehr ist eine eindeutige Verkehrsbehinderung.“
Ich bin wie vor den Kopf geschlagen, aber nicht auf den Mund gefallen. „Das kann ich nicht einsehen. Sie haben den ersten Prüflinge durchfallen lassen, weil er sie sich dort zu zügig eingefädelt hat. Das hab ich mir zu Herzen genommen.“
Der Prüfer versucht zu argumentieren.
„Das überzeugt mich nicht. Ich kann wirklich nicht einsehen, weshalb Sie mich durchfallen lassen wollen.“
Der Prüfer holt tief Luft. „Dann fahren Sie nochmal los“, schnauzt er mich von hinten an. Und das tue ich ganz gelassen.
Ich werde kreuz und quer durch die Stadt gescheucht. Ich fahre wie eine junge Göttin. Selbst das rückwärtige Einparken klappt wie geschmiert.
Wortlos überreicht mir der Prüfer meinen Führerschein.
Den hab ich mir erquasselt.
Schwein gehabt.
Ingrid Ollenschläger, August 2025
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