Weihnachten naht. Leo, Mama und Papa machen sich auf eine lange Reise.
Leo kann es kaum erwarten, seine Großeltern in Slowenien wiederzusehen.
„Wann sind wir endlich da?“ will er schon bald wissen.
„Wir sind doch gerade erst losgefahren“, meint Mama. „Lass uns Weihnachtslieder singen, dann vergeht die Zeit schneller.“
Leo singt gerne und kennt viele Lieder. Seit Weihnachtslieblingslied ist Jingle bells. Das stimmt er lauthals an. Mama unterstützt ihn. Und Papa auch ein wenig. Der muss sich aber sehr auf das Fahren konzentrieren.
Es hat angefangen zu schneien. „Zum Glück haben wir unsere Schneeketten dabei“, sagt Papa, „einige Autos kommen schon ganz schön ins Schlingern“.
„Leise rieselt der Schnee„, singt Mama aus voller Kehle. „Und jetzt Schneeflöckchen, Weißröckchen„, schlägt Leo vor, „und dann Rudolf mit der roten Nase„.
Das Schneetreiben wird immer dichter. Papa fährt auf einen Rastplatz und legt die Schneeketten an.
Und dann kommt der Anruf der Großeltern, dass sie noch keinen Weihnachtsbaum besorgen konnten, weil ihr Dorf völlig zugeschneit ist.
„Aber morgen ist doch Weihnachten. Und Weihnachten ohne Tannenbaum ist doof“, jammert Leo. Er singt „Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum„. Und dann murmelt er vor sich hin: „Ich mag Weihnachten nicht ohne Tannenbaum. Ich muss einen Baum haben. Iich will einen Baum.“
Die Autos kommen nur langsam voran, und die Fahrt dauert viel länger als gewöhnlich.
Inzwischen ist es dunkel geworden. Vom vielen Singen und Nachdenken über den Weihnachtsbaum ist Leo müde geworden. Er schläft wie ein Murmeltier.
Als er aufwacht, sagt Papa: „Jetzt sind wir bald da. Wenn alles gut geht, sind wir in einer halben Stunde bei Babi und Dedi. So nennt Leo seine Großeltern in Slowenien.
Dann muss Papa plötzlich bremsen. Das Auto kommt ins Rutschen. Papa schaffte es erst in letzter Sekunde, den Wagen zum Stehen zu bringen.
Leo kann es kaum glauben: Mitten auf der Straße liegt ein Baum, ganz mit Schnee bedeckt.
Papa macht die Warnblinkleuchten an und öffnet vorsichtig die Fahrertür. Ein eisiger Wind weht in den Wagen.
„Wir müssen den Baum von der Straße ziehen, sonst kommen wir nicht weiter.“
„Ein Tannenbaum, ein Tannenbaum“, ruft Leo, „mein Tannenbaum.“
Mama und Papa schleppen den Baum an den Straßenrand.
„Jetzt haben wir einen Weihnachtsbaum, Hurra“, ruft Leo begeistert.
Mama und Papa schauen sich an. „Die Tanne ist ganz krumm, und die Spitze ist abgebrochen“, sagt Mama.
„Der Baum ist schön. Und wenn wir ihn schmücken, wird er noch viel schöner“, ruft Leo.
„Stimmt“, sagt Papa und hebt die Tanne auf den Dachträger.
Babie und Dedi trauen ihren Augen nicht, als sie die Tanne auf dem Auto entdecken.
„Jetzt kannt Weihnachten kommen. Wir haben endlich unseren Weihnachtsbaum“, ruft Babi.
„Aber erst muss ich den Baum noch schmücken“, meint Leo.
Ingrid Ollenschläger, 2025
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