Leo mag Höhlen und Verstecke. Immer wieder müssen Mama und Papa nach ihm suchen.
Seine Verstecke sind zu gut. Und wenn Papa ihn gar nicht finden kann, ruft er: „Leo, sag mal piep“. Aber darauf fällt Leo auch nicht mehr rein. Er will sich ja nicht verraten.
In der Kita hat die Erzieherin eine spannende Geschichte von einer Geisterbahn vorgelesen. Ein Mädchen hat eine Geisterbahn gebaut und ihren Freundinnen einen gewaltigen Schreck eingejagt.
Leo will unbedingt auch eine Geisterbahn bauen. „Erschrecken macht Spaß“, sagt er zu Theodor.
Der beste Ort zum Erschrecken ist der Keller. „Bei uns sind sogar Mäuse“, meint sein Freund.
In Leos Keller gibt es zum Glück keine Mäuse, nur Spinnen. Vor denen gruselt sich Leo nur ein ganz klein bischen.
Am Sonntag will Leo eigentlich draußen spielen. Aber es regnet wie aus Eimern. Deshalb lädt er einige seiner Freunde und Freundinnen zu sich nach Hause ein.
Und da fällt ihm wieder die Geschichte von der Geisterbahn ein. Die will er bauen, bevor die anderen kommen.
Leo hat viele Decken und alte Betttücher gesammelt. „Aber wir haben ja gar keine Bahn. Wie soll ich da eine Geisterbahn bauen?“ fragt er Mama.
„Mach doch einfach einen Geistertunnel“, schlägt Mama vor.
Erst findet Leo die Idee doof. Dann lässt er sich doch darauf ein. Mit Bänken und Gartenstühlen entsteht ein Tunnel quer durch die Waschküche. Die Geister bringen den Tunnel immer wieder zum Einstürzen. Doch dann bleibt das Gerüst endlich stehen. Leo deckt alles mit seinen Tüchern ab.
Jetzt ist er zufrieden. Er krabbelt durch seinen Tunnel. Er findet ihn ein bischen gruselig, aber noch nicht gruselig genug.
Er erinnert sich an die Geschichte aus der Kita. In der floss Blut, viel Blut.
Leo holt seine Spritzpistole. „Mama haben wir Erdbeersaft? Ich brauche Blut.“ „Nein, aber Kirschsaft“, meint Mama. Und tatsächlich sieht das Wasser mit dem Kirschsaft wie Blut aus.
„Wo sind die Spinnen, die ich letztes Jahr auf meinem Karnevalskostüm hatte“, will Leo wissen.
Mama steigt auf den Dachboden. Da sind viele echte Spinnen und in einer Kiste findet sie auch die Plastikspinnen.
„In der Geschichte aus der Kita hatten die Geister schwarze Handschuhe an“, erinnert sich Leo.
„Haben wir in der Küche“, sagt Mama.
Leo ist zufrieden. Er überlegt sich einen Plan, er überlegt und überlegt.
„Ich laufe neben dem Tunnel her und dann erschrecke ich“.
„Ja, du kannst ja kleine Lücken zwischen den Tüchern lassen. Da kannst du deine Freunde mit der Spinne kitzeln oder ganz laut: „Buhu, ein Geist, ein Geist rufen“, sagt Mama. „Und zum Schluss ein kleines bischen Blut ins Gesicht spritzen“, freut sich Leo. „Aber wirklich nur einen kleinen Spritzer“, meint Mama.
Die Freund sind gekommen. Leo freut sich. Er will nur immer einen in seine Geisterbahn lassen. Die anderen sollen vor der Waschküche warten.
Ben traut sich als Erster. Als ihn die Spinne am Nacken krault, schreit er auf. Und als die geheimnisvolle schwarze Hand ihm über die Stirn fährt, stockt ihm der Atem. Als er fast am Ende des Tunnels ist, spritzt Leo ihm Kirschsaft über Nase und Mund.
Ben brüllt wie am Spieß. Er will nur raus, reißt die Tür auf und alle sehen nur das Blut und schreien. Und dann will keiner mehr in Leos Geistertunnel.
So ein Pech für Leo.
Ingrid Ollenschläger, 2025
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