Leo findet einen Seehund

Leo ist mit Oma und Opa auf der Insel Juist.

Leo hatte bei der Hinfahrt vom Schiff aus schon ein paar Seehunde gesehen. Aber die waren ganz schön weit weg.

Am Tag nach der Ankunft hat Leo am Strand ein blaues Schild entdeckt. Darauf ist ein Seehund abgebildet.

„Was steht da auf dem Schild?“ will er wissen.

Opa liest ihm den Text vor: „Achtung! Sie treffen hier auf wild lebende Tiere. Bitte halten Sie mindestens 300 Meter Abstand zu den Robben. Und halten Sie Ihren Hund fest. In der Zeit zwischen August und Mai ruhen sich junge Robben am Strand aus. Diese sind selbstständig und brauchen keine Hilfe.

„Ob wir heute noch eine Robbe am Strand sehen?“ fragt Leo und rennt in Richtung Meer.

„Heute wohl nicht. jetzt ist Flut. Bei Ebbe, wenn das Wasser zurückgeht und der Strand ganz weit ist, sind die Chancen größer“, meint Opa.

Ein paar Tage später planen die Großeltern einen Ausflug an die Westspitze der Insel. Oma will den Bollerwagen mitnehmen.

„Der Weg bis zum Restaurant Domäne Bill ist ganz schön weit“, meint sie.

„Ich bin doch schon groß“, protestiert Leo, “ ich will laufen.“

„Na gut, wenn du meinst. Aber du weißt ja, dass wir dich nicht tragen können.“

Es ist Ebbe und die Sonne scheint. Leo hat seinen grünen Eimer mitgenommen. Er will Muscheln sammeln. Es gibt so viele schöne Muscheln. Die wandern dann in den Eimer.

„Wann sind wir denn beim Bill?“ will Leo wissen, „ich hab Hunger.“ Er weiß, dass es dort im Café selbstgemachten Rosinenstuten gibt. Darauf freut er sich schon.

„Das dauert noch“, sagt Oma, „aber ich habe Obst für dich dabei.“

„Später“, antwortet Leo und marschiert tapfer weiter.

Je näher sie an die Domäne Bill herankommen, desto weniger Menschen sind am Strand.

In der Ferne entdeckt Opa einen dunklen Klumpen am Strand. „Was das wohl ist?“ fragt er.

Oma vermutet, dass es Treibholz ist. „Aber schau doch mal, es bewegt sich“, sagt Opa, „das könnte eine Robbe sein.“

Er holt sein Fernglas heraus und tatsächlich: es ist eine Robbe.

„Wir haben ja gelesen, dass sich die Robben am Strand ausruhen. Aber wir müssen Abstand halten. Damit wir das Tier nicht stören.“

Leo und Opa machen einen großen Bogen um das Tier, das langsam in Richtung Wasser robbt.

„Kommt die Robbe allein wieder ins Wasser?“ fragt Leo.

„Da bin ich ganz sicher“, sagt Opa. Du erinnerst dich doch, was auf dem blauen Schild stand.“

Leo holt sein Kinderfernglas heraus. Und Opa hilft ihm dabei, das Tier anzusehen. Es atmet ganz ruhig und entspannt.

„Wenn wir vom Kuchenessen zurückkommen, ist die Robbe sicher schon wieder in der Nordsee“, sagt Opa.

Schweren Herzens trennt sich Leo von dem ganz besonderen Fund, aber seine Gedanken sind immer noch bei der kleinen Robbe.

Und tatsächlich ist sie verschwunden, als die Drei auf dem Rückweg nach ihr schauen.


Ingrid Ollenschläger, 2025

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