In der Kita soll wieder ein Theaterstück eingeübt werden.
Bis jetzt war Leo nie schnell genug, wenn die Hauptrollen vergeben wurden. Sein Freund Carlo zeigte immer flotter auf als er. Und schon hatte der die tolle Rolle.
Leo stand bei den Aufführungen oft stinksauer im Hintergrund. Beim letzten Mal musste er so ein doofes Schild hochhalten. Darauf stand: Ich bin ein Baum. Das war richtig langweilig für ihn. Dabei konnte er alle Rollen auswendig. Carlo hatte seinen Part überhaupt nicht richtig gelernt. Jenny, die Erzieherin, musste ihm immer wieder bei seinen Einsätzen helfen.
Später erzählt Leo Oma, dass er wohl besser Theater spielen kann als Carlo. Leo ist wütend, richtig sauer auf sich, dass er oft zu spät ist mit seiner Entscheidung.
„Leo, ich trau dir zu, dass du große Rollen übernimmst. Du bist ein super Schauspieler, jetzt musst du dich nur noch trauen“, meint Oma.
Vor Weihnachten ist es wieder soweit. Zur Adventszeit soll für die Eltern das Stück „Niklas in der Himmelsküche“ aufgeführt werden.
Jenny stellt die Rollen vor und sagt: „Der Junge, der Niklas spielen soll, hat richtig viel zu lernen. Wer traut sich das zu?“
Sie hat kaum die Frage ausgesprochen, da schnellt Leos Arm schon in die Höhe und. Jenny meint: „Da freu ich mich aber, Leo. Dir trau ich die Rolle zu. Du wirst Niklas super spielen.“
Oma und Opa kommen natürlich auch zur Adventsfeier. Sie sind begeistert von Leos Auftritt. Alle Zuschauer klatschen wie verrückt. Aber Oma will gar nicht aufhören. „Bravo“, ruft sie, „Bravo“, als Leo sich am Ende verbeugt. Und Leo strahlt.
„Ich bin so stolz auf dich“, flüstert Oma ihm später zu. „So stolz, dass du dich getraut hast. Dir trau ich alles zu.“
Leos Wangen glühen noch vor Aufregung. Er ist richtig froh, dass er nicht wieder so ein blödes Schild in die Höhe halten musste.
Ingrid Ollenschläger, 2025
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